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Internationaler Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen*

20.11.2015

Pressemitteilung Gladt e.V.

 

Der Anlass jährt sich in diesem Jahr zum 45. Mal: Am 25. November 1960 wurden die drei Schwestern Mirabal vom militärischen Geheimdienst der Dominikanischen Republik erst verschleppt und brutal ermordet. Die Antwort auf ihren Widerstand gegen den Diktator Turjillo hieß Folter und zuletzt Mord. Ihr Todestag wird seit Ende 1999 als Internationaler Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen* begangen. Alljährlich wird an diesem Tag auf die Gewalt aufmerksam gemacht, die Frauen* erleben- aber auch überleben.

 

Es ist jedoch nicht nötig, von Deutschland aus auf andere Länder, Kontinente und Gesellschaften zu verweisen, um über Gewalt an Frauen* zu sprechen. Es reicht in den Grenzen der Festung Europa zu bleiben, um zu sehen: Auch innerhalb der Europäischen Union ist noch einiges zu tun.

40 % der Frauen* in Deutschland haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche und/oder sexualisierte Gewalt erlebt. Ein Viertel der in Deutschland lebenden Frauen* haben Gewalt durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erlebt.

 

Der Mythos des im Dunkeln lauernden „Vergewaltigers“ ist im Vergleich zu diesen Zahlen ein Phantom, das eine verhältnismäßig kleine Rolle spielt. Aber es sind nicht nur körperliche Grenzüberschreitungen, auch seelische, psychische Übergriffe sind Formen der Gewalt. Dazu gehören Verleumdungen, Drohungen, Psychoterror und Stalking- dafür gibt es in Deutschland nach wie vor keinerlei juristische Grundlage, mit der dieser Straftatbestand verfolgt werden könnte.

All diese Formen der Gewalt erleben Frauen* in erster Linie durch Partner_innen bzw. Personen aus ihrem näheren sozialen Umfeld.

 

In fast allen Studien und Analysen zu diesem Thema und auch im Rahmen vieler öffentlichen Aktionen, die auf die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen* aufmerksam machen wollen, wird eine wichtige Position häufig nicht bedacht: Die der Trans*personen, also all denjenigen, die nicht in ein System passen, das ausschließlich zwei Geschlechter vorsieht. Die Gewalt, die Trans*personen erfahren, wird sehr selten dokumentiert oder zur Sprache gebracht, insbesondere in Kreisen, die sich um Frauen*rechte und Feminismen drehen, in denen vorwiegend davon ausgegangen wird, dass die Welt aus Cis-Männern und Cis-Frauen besteht.

 

Als ein Verein, der sich durch die intersektionale Perspektive auszeichnet, kommen wir nicht umhin diese Formen der Gewalt mit allen anderen strukturellen Diskriminierungen (Rassismus, Klassismus, Behindertenfeindlichkeit, etc.) zusammenzudenken und von diesem Standpunkt aus zu bekämpfen. Keine Unterdrückungsform lässt sich isoliert betrachten und bekämpfen! Wir fordern eine politische Auseinandersetzung, die Mehrfachzugehörigkeiten nicht nur zulässt,sondern zur Selbstverständlichkeit werden lässt!